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Sicht nach innen oder außen? Sind blinde Menschen automatisch spirituell veranlagt?

Haben blinde Menschen automatisch einen Zugang zur Spiritualität? Positives Vorurteil oder Reduktion auf Äußerliches… Hier wird ein Schlaglicht auf diese Frage geworfen, angeregt durch ein Zitat von Swami Sivananda.

Ein blinder Mensch kann die Dinge nicht sehen, aber er kann sie fühlen und verstehen. Aber ein spirituell Blinder kann Dinge sehen und nicht verstehen, was sie in Wirklichkeit sind.

– Swami Sivananda, 1887-1963


Meditation – Zitat des Tages
.von Sukadev Bretz Yoga Vidya

Kompliment oder Einheitsstempel?
Ich möchte diese Frage hier kurz anreißen.

Häufig wird ein sinngemäßer Verwandter dieses Zitates zum besten gegeben, wenn man als blinder Mensch unterwegs angesprochen wird. Ich selbst habe mich oft gegen diesen allgemeinplatz gewehrt, das innere Auge sei (automatisch) stärker ausgeprägt, wenn das äußere nicht mehr funktioniert. Es kam, meinem Empfinden nach, einer Reduktion auf ein äußerliches Merkmal gleich. Freilich hätte man auch damals den Unterschied zwischen Reduktion und Anknüpfungspunkt machen können.
Außerdem hatte ich übersehen, dass sich hier in einer Behinderung eine Chance verbirgt, große Wunder in der Natur und im inneren des eigenen Selbst zu entdecken, denn die Reizüberflutung trifft einen nicht in voller Härte. Natürlich hat jeder und jede diese Chance, aber viele nutzen sie erst dann, wenn ihnen großes Leid widerfährt in Form von schweren „Schicksalsschlägen“, Krankheiten oder chronischen Schmerzen.

Genüge ich also mittlerweile freiwillig dem alten Vorurteil! Fest steht allerdings, dass die Verallgemeinerung nicht stand hält und das jeder Mensch freien Zugang zum inneren Auge hat, auch wenn sich der Konsumrausch mit Plakaten, Leuchtreklamen und Postwurfbroschüren sozusagen bemüht, uns davon abzubringen.

Von Mario rosenbaum

Das höchste Glück des denkenden Menschen ist, das erforschliche erforscht zu haben und das unerforschliche still zu verehren. - Goethe

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