Oh Herr, gib uns unsere Sprache zurück

H3o allerseits,
nein, das ist keine neue chemische Formel, sondern ein numerisches Akronym, Numeronym genannt.

Ich stieß neulich auf A11Y und I18N, ohne das mir sofort klar gewesen wäre, dass ich die Entschlüsselung schon kannte. Nicht nur das, damit hatte ich sogar schon viel länger zu tun.

Als ich mich anschickte, diese Wissenslücke zu schließen, klappte mir die Kinnlade herunter: ein A, elf weg gelassene Buchstaben, und ein Y – Accessibility bzw. (Barrierefreiheit). Dieses war mir bisher nicht gleich zugänglich, das andere heißt übrigens – falls es noch wer nicht wusste – „Internationalization „, ein Wort mit 20 Buchstaben, dem man nur noch zwei davon gegönnt hat.

Bei einem weiteren Blick in die Tiefen des Netzes vertiefte sich auch mein Lachkrampf: im Dropsafe findet sich eine Erläuterung einiger Numeronyme in diesem Zusammenhang, Thema ist hier die schrittweise Deamerikanisierung von Software. Bei der sich daran anschließenden Informatikerdiskussion über den Algorithmus zur Bildung der Kurzformen fiel mir die Kinnlade dann endgültig auf den Schreibtisch!

 

Uff, erstmal durchatmen. Wenn wiedermal jemand den kulturellen Verfall anprangert, kann ich schon wieder nicht widersprechen. Nicht genug damit, dass wir eigene Begriffe für scheinbare Fachbegriffe nicht finden wollen (Computer) und klare, bestehende Ausdrücke im Strudel dieses Zeitgeistes mitgerissen werden (Event, Touch). Mit der Mobilfonischen Verkrüppelung ziffern wir zunehmend uns sagen damit „GN8“, „Xmas“, bedanken uns mit „THX“ und unser Gelächter heißt „LOL“. Und jetzt?

Wenn uns das Buchstabieren zu viel wird, verlegen wir uns, solange wir das noch können, eben aufs Zählen (A11Y, I18N). Mal sehen, wann das Alphabet abgeschafft wird! Die Umlaute müssten ja, wenn es nach einigen Leuten ginge, schon gestrichen werden, die springen als erstes über die Klinge. Und als Nächstes? Vielleicht sparen wir das K, reicht doch auch das C. Umgekehrt kommt es nicht in Frage, denn das C brauchen wir für den Sprachimport aus dem Angelsächsischen.

Vom Zählen wäre es dann ein kleiner Schritt zurück in die Steinzeit – wo wir uns sowieso in vielerlei Hinsicht noch befinden. Als Übergangslösung können wir ja eine Symbolschrift nutzen – kein Problem, solange die Symbölchen über einen Touchscreen auswählbar sind.

Am Rande sei noch angemerkt, dass ich sehr wohl verstanden habe, dass Sprache etwas lebendiges war und bleiben muss. Aber Leben entwickelt sich von innen heraus und wächst. Was hier passiert, ist aber ein Schrumpfen, obwohl Kultur- und Sprachfremde Ausdrücke (unreflektiert) eingepumpt werden. Das ist deshalb so gefährlich, weil mit mangelnden Ausdrucksmöglichkeiten letztlich auch die Denkfähigkeit selbst beeinträchtigt wird. Über diesen Zusammenhang wird an anderer Stelle noch zu sprechen sein.

 

BTW scheint es 2L8, einen Zeigefinger zu heben, aber IMHO ist die Deutsche Sprache, wenn das so weiter geht ASAP ziemlich FUBAR.

In diesem Sinne,

GN8,

CU,

v3e g3e,
ach nein, die Umlaute. Also Nochmal…

v3e g5e

 

m3o

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