Zeitgenössischer Zauberkasten als Zeitdieb?

„Ein jeder sei ein König im eigenen Königreich – erstrecke dies aber nicht über die ganze Welt hinaus!“

Neulich hatte ich mal etwas Zeit. Da dachte ich: „Trauste dich mal und meldest dich bei Facebook an“. Trotz diverser Horrormeldungen um das Fremdwort „Datenschutz“ war dies schnell in die Tat umgesetzt. Ich musste ja nicht mitteilen, was ich für mich zu behalten gedachte.

Niemanden, der weiß, wovon ich rede, wird es überraschen, dass mein Profil mittlerweile die ausführlichste „Dokumentation“ meiner ansichten und Interessen ist, die ich je gemacht habe. Ich teile einiges mehr, als ich damals für möglich gehalten habe. Damals? Naja, ist bloß sechs Monate her.

Was passiert mir hier eigentlich? Eine Faszination dabei, mich zu vernetzen, hat mich ergriffen.Ein bekannter alltagsausschnitt: Man sitzt am tisch und unterhält sich, aber mit wem? Die übrigen Beteiligten schauen auf ihr Smartphone und sind in anderen Welten unterwegs.

Photos von anderen über andere? Man nimmt bei einer Party ein Photo auf, das geht schneller, als man einen Schluck aus seinem Glas genommen hat. Dann lädt man das Photo hoch, spart sich dort jeden Kommentar und klickt auf einen Knopf, es ist „im Netz“. Wer achtet da schon auf ein kleines Kästchen, wo man einstellen könnte, wer diesen Beitrag sehen darf? Meistens steht da ganz heimlich „alle“. Vielleicht wird irgendwann auch die Facebook-Voreinstellung beachtet, und man hat möglicherweise „Freunde von Freunden“ nicht nur eingestellt, sondern dieses wirkt auch. Das ist aber dann immernoch ein recht großes Universum. dort gilt aber leider nicht, „Freund meines Freundes kann nicht mein Feind sein“. Stellt man eben als „Privatsphäre“ für den Partyschnappschuss „Freunde“ ein. Bis hierher hat die geknipste Person immernoch kein Mitspracherecht und weiß womöglich gar nicht, dass ein Bild von ihr im Umlauf ist. Wüsste sie es, würde sie höchstwahrscheinlich eine Privatsphäre-Einstellung wählen, die gar nicht da ist: „niemand“.

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